Ragnas Rumpelkiste

Regie trifft Mensch trifft Management trifft Welt sagt Hoppla!

25. Januar 2010

my daily theatre soap?

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Probenstart am Theater Gießen mit “Wie es euch gefällt” und Herzwummern. 3 Jahre inszenatorische Pause wegen Kind (und richtig war das!), jetzt das dumme Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie das geht, das Theatermachen. Ist aber bestimmt wie Schwimmen, fällt man ins Wasser, kommen die Bewegungen wieder automatisch. Die Ideen, der Hunger sind ja da. Die Angst im Hintergrund, der alte Begleiter, auch. Kunst und Scheitern liegen dummerweise nunmal ach so nah beeinander. Und nebenher ein Grübeln über eine andere Frage, über die Intimität der Probe. Hier auf dem Blog wird ja oft aus Proben berichtet. Gerne auch mal detailliert, personifiziert. Was ich immer gerne lese, my daily theatre soap quasi, aber zugleich irgendwie falsch finde (der Mensch, das Fragezeichen…). Die Probe, das ist für mich nach wie vor ein geschützter Prozess, der hinter dicken Türen bleiben kann, bleiben soll, darum heißt es ja “Probe”, ich würde mich ja nie veräußern und verwundbar machen, wenn ich ahnte, dass das hinterher alle Welt nachlesen kann? Oh je, ich glaube, ich bin altmodisch. Naja, macht ja nichts. So ne kleine hutzelige Oma mit Häkelmütze hat ja auch ihren Charme!
Dann mach ich mich mal auf durch das Gießener Winterwonderland! (Hatte ich nicht Frühling bestellt? Ich hatte doch Frühling bestellt!!! REKLAMATION!)

9. Januar 2010

Welches Tier wohnt hier?

Abgelegt unter: LEBEN!

So, heute mal etwas ganz Konkretes: Macht doch bitte mit bei der nachfolgenden Umfrage nach der Harry Hole Methode und helft somit einem uneinigen Kreativteam weiter: Ihr macht euren Kopf leer, lest die folgenden 3-5 Begriffe, lest die Frage und sagt eure direkte ungefilterte Assoziation:
Weltraum, Piraten, Abenteuer, Vergnügungspark, Maskottchen.
Welches Tier?
Vielen Dank!

1. Dezember 2009

Auf “sparen” reimt sich “bewahren” ODER “Der große Kahlschlag”: Schock oder doch nur Dummheit?

Abgelegt unter: Allgemein, LEBEN!

Nun ist es also soweit. Allerortens geht ein großes Stöhnen durch die Kulturlandschaft, denn tatsächlich: Einschneidende Sparmaßnahmen werden nicht nur wie gewohnt angekündigt, sondern tatsächlich auch durchgeführt. Der Schock ist groß, die Krise viel zitiert. Auch vorm Sündenfall wird nicht mehr zurückgeschreckt: Das Schauspiel Wuppertal, nein, seien wir so genau wie die Kulturpolitik, das SchauspielHAUS Wuppertal wird eingespart.
Und bei all dem allgemeinen Augengereibe reibe ich mir einmal mehr über ganz was Anderes die Augen: Über die schon nicht mehr zauberhaft zu nennende Naivität mancher Kollegen. Ich weiß ja, der Erhalt einer gewissen Unschuld ist förderlich für unseren Beruf, aber manchmal stellen sich mir schon Fragen.
Mir ist nicht klar, wie man sich über die Einsparung von Wuppertal auch nur ein bißchen wundern kann - die Kulturpolitik steuert seit Jahren systematisch genau darauf zu. Immer wieder wurden Gelder gekürzt, das Ensemble auf einen kaum noch zu findenden Stamm reduziert, die Zahl der Produktionen noch mal dezimiert, Sanierungsmaßnahmen verschoben etc. Das einzige, was der Kulturpolitik in Wuppertal - wie an so vielen Orten - fehlte, war ein bißchen ARSCH IN DER HOSE: Einfach mal ehrlich sein und den Laden dicht machen. Stattdessen: Schön langsam kaputt sparen, bis sich kein Dummer mehr findet, der das Haus noch leiten mag. Das war die Devise. Natürlich hat man dabei ein Phänomen der Kulturschaffenden übersehen: Wir machen noch immer immer wieder aus Scheiße so lange Gold, bis nicht mehr auch nur noch ein Krümel Scheiße da ist. Wir müssen ja. Wir halten es anders ja nicht aus. Wir wollen ja. Kunst in die Welt stellen. Geschichten erzählen. Gesellschaft gestalten. Ohne gehen wir ja vor die Hunde. Also wurde auch in Wuppertal der Kulturpolitik solange durch aktive Selbstausbeutung der Kulturschaffenden ein Strich durch die Rechnung gemacht, bis sie nicht mehr anders konnte, als zumindest teilweise die Hosen runterzulassen. Und auch jetzt: Bleibt es ein Hohn, wie sehr die Damen und Herren sich nicht zu fein sind zu betonen, sie würden ja nur das HAUS einsparen, damit wäre ja noch keine Entscheidung über die Zukunft des Sprechtheaters in Wuppertal getroffen. Wenns nicht so zum Heulen wäre, ich würde mich kaputt lachen.

Nicht lachen kann ich aber über all die Schockierten. Denn dass es darauf zuläuft und dass es über kurz oder lang so weit sein wird (und ein Wunder ist, dass es erst jetzt so weit ist): Das war doch klar. Und diesen Schuh, den können wir uns dann alle auch mal anziehen: Wer immer nur reagiert, statt zu agieren, der darf sich nicht wundern, wenn ihm das System irgendwann um die Ohren fliegt.

Wir sind schon lange fällig. Seit Jahren wird in den Feuilletons nur noch entweder Ästhetik oder Geld diskutiert. Über die Bedeutung von Kultur in einer demokratischen Gesellschaft wird nicht mehr laut und für jeden verständlich nachgedacht. Nicht in den Zeitungen, nicht in der Gesellschaft, nicht auf der Bühne. Oder wenn dann viel zu selten.
Wir leben in Deutschland in dem unfassbaren Luxus eines einmaligen Subventionssystems. Nicht falsch verstehen: Ich finde das richtig! Aber auf der Existenz dieses Systems wurde sich viel zu lange ausgeruht und es wird der Erhalt eines Status Quo eingefordert, weil der ja schon immer so war - die gelebten Argumente sind aber dünn. DA muss sich etwas tun. Auch wenn es jetzt schon 5 nach 12 ist. Wir können und dürfen uns auf Seiten der Kunst nicht mehr blind und blöd oder eigentlich ja fast schon tot stellen. Die Kommunen SIND pleite. Geld MUSS irgendwo her kommen. Das System funktioniert nicht mehr. Es hilft jetzt nicht, heulend in der Ecke zu stehen und zu sagen “aber nicht bei mir”.
Gewiß hat jeder Recht der sagt, was man bei der Kultur einsparen kann, ist marginal gemessen am nötigen Finanzvolumen. Dennoch liegt es an uns allen, klar zu machen, warum wir überhaupt so wichtig sind. Die Zeiten sind so.
Und eine Kunstpolitik ala Frau Karin Beier, die 3x die Woche ihre Meinung ändert und erst im letzten Moment entdeckt, dass Inhalt dann vielleicht doch wichtiger sein könnte als Fassade, dafür aber dann alle anderen anklagt, tja, da kann ich mich nur fremdschämen. Obwohl: Irgendwie passt das auch zu Köln… Vielleicht begreifen wir einfach mal, dass schon längst Kunst machen und Wirtschafter + Politiker sein untrennbar verbunden ist. Man muss das nicht schön finden. Auch nicht richtig. Aber nur, wer sich in dieses Tal der Tränen begibt, wird auf Dauer die, meiner Meinung nach wirklich einzigartige, Kulturlandschaft Deutschlands bewahren können.
So, das war mein Wort zum Montag.

Noch eine Anekdote gefällig zu einem anderen Thema?

Neulich kaufe ich bei meiner Tochter (2,5 Jahre) in ihrem Kaufladen ein:
Ich: Ich hätte gerne 3 Eier. Was kostet das?
Sie: Das macht … 10 Euro.
Ich: Oh und dann nehme ich noch die Kirschen. Was macht das dann?
Sie: 10 Euro.
Ich: Und diese Bürste, die könnte ich auch noch gebrauchen. Wieviel kostet das?
Sie: 10 Euro.
Ich: Oh, ich sehe grade, ich habe gar kein Portemonnaie dabei.
Sie: Dann nimmst du es einfach so mit.

Erinnert mich fatal an Gehaltsverhandlungen in Theatern.

Intendant: Ich würde sie gerne für eine Produktion buchen. Sie spielen den Hamlet.
Schauspieler: Oh ja, sehr gerne. Da wäre meine Gagenvorstellung dann so 5.000 Euro für die Probenzeit.
Intendant: Es wären dann 50 Vorstellungen. Oft auch Doppelvorstellungen und 3x Dreifachvorstellungen.
Schauspieler: Ja, da fände ich dann 150 Euro pro Vorstellung angemessen.
Intendant: Ach und das Bühnenbild müssten sie selber aufbauen und wenn sie bei der Herstellung auch noch zupacken könnten, wir sind da etwas knapp mit dem Personal. Machen Sie Kampfsport? Wir suchen auch noch einen Kampftrainer.
Schauspieler: Oh, aha, ja, das müsste sich dann natürlich irgendwie in der Gage niederschlagen.
Intendant: Naja und generell ist es so, dass wir diese Produktion nur gerade so noch bewältigen können, also ich kann Ihnen da höchstens eine Wohnung anbieten für den Zeitraum, aber sehen Sie es mal so, Sie dürfen eine Rolle spielen, die nun wirklich jeder gerne mal spielen würde, das macht sich auch gut in ihrer Vita und der Regisseur ist up and coming, vielleicht nimmt der Sie dann irgendwo hin mit, wenn Sie es ein bißchen geschickt anstellen, und Sie bekommen bestimmt eine schicke Kritik für ihre Mappe, von der Erfahrung ganz zu schweigen und zur Premiere hat sich auch der XX und der YY angesagt, na und mal ehrlich, Sie haben doch eh nichts zu tun derzeit, oder?, also ich denke, das kriegen wir hin oder?
Schauspieler: Ja also, da müßte ich noch mal drüber nachdenken…

Wir sind doch schon genau so korrupt, oder? Das Schlimmste ist ja, dass wir das ganze Gespare dann intern genau so weitergeben. BAH.

Ich fahre jetzt zu meiner Bauprobe an einem noch nicht geschlossenen Theater :-) Wo die Gagenverhandlung total okay & fair lief und mein Technikteam vor Motivation bis über beide Ohren leuchtet und wir - mal wieder - irgendwie alles hinkriegen werden. Ich freu mich!
Und sende trotzdem solidarische Grüße nach Wuppertal. Und warte auf die Bombe, die in den nächsten Wochen in Köln platzen wird, wenn der Haushalt wirklich publik wird. Und “mein” Theater dann vielleicht auf einmal am Abgrund steht.

Also, man liest sich!

20. August 2009

Köln ist endlich Avantgarde (hat nur leider – mal wieder – den Sinn des Wortes falsch verstanden…)

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Nun ist es also endlich so weit. Was lange tapfer geleugnet wurde – die Finanzkrise würde nicht dazu führen, dass im Bereich der freiwilligen Leistungen für die Kultur als erstes gespart würde – soll in Köln Realität werden. Der Kölner Stadtkämmerer Dr. Norbert Walter-Borjans schlägt als Lösung der Finanzprobleme der Kommune vor, den Kölner Kulturetat schon für das Jahr 2010 um 30 Prozent zu kürzen. Mit massiven Protesten konfrontiert, wird diese Ansage dann liebreizend korrigiert. Der Fehlbetrag im städtischen Haushalt liege 2009 bei 122 Millionen Euro (zum Vergleich: Der gesamte Kulturetat beträgt derzeit 132 Millionen Euro), im kommenden Jahre müsse man mit bis zu 350 Millionen Euro rechnen. Man müsse das Einsparvolumen, das von der Kultur erwartet werde, relativieren. Die Kulturverwaltung habe sich natürlich gleich den Extremfall herausgegriffen und nur auf den Teil des Budgets verwiesen, bei dem die Kürzungen am Ende bei 30 Prozent liegen. Dabei sei völlig klar, dass beispielsweise bei den Personalkosten und bei den Abschreibungen im Kulturetat gar nichts gespart werden könne. Wenn man das herausrechne, lägen die Kürzungen bei 22 Prozent.

Wir sind begeistert. Und schauen auf eine große Anzahl Kultureinrichtungen im Jahr 2010, die zwar als Veranstaltungs- und Personalbetrieb aufrecht erhalten werden – nur findet leider keine Kultur mehr in ihnen statt, weil ausgerechnet der Etat für die Kunst eingespart wird. Ein wirklich überzeugendes Rechenexempel.

Vorausgegangen ist dieser Politposse eine mühsam abgewehrte Haushaltssperre sowie ebenfalls schon angedrohte Kürzungen der Fördergelder für das laufende Jahr in beträchtlicher Höhe. Auch diese wurden im Anschreiben des Kulturamts mit amüsanten Vorschlägen begleitet: „Ich möchte Ihnen daher dringend empfehlen, Ihr wirtschaftliches Gebaren in den kommenden Monaten dieser schwierigen Lage anzupassen, damit eine evtl. notwendig werdende Zuschusskürzung von 15 Prozent (rückwirkend auf das GANZE Förderjahr bezogen wohlgemerkt, d. Verfasser.) nicht zu einer Existenzbedrohung Ihrer Einrichtung führt.“ So also spricht das Kulturamt Köln, hat aber vergessen, die Gebrauchsanweisung beizulegen. So bleibt es für die Kölner Kulturschaffenden ein Rätsel, wie es wohl machbar sein soll, die gleichen Ziele mit deutlich weniger Geld zu erreichen – haben wir alle etwa fiktive Wirtschaftspläne eingereicht, die nicht der Realität entsprechen? Oder gibt es doch geheime Goldvorkommen im Keller? Insbesondere bei den vielen gemeinnützigen Kultureinrichtungen, die ja eben keine Überschüsse und Rücklagen erwirtschaften dürfen und deshalb gerade in Richtung des Jahresende wirtschaftlich Richtung Null arbeiten müssen, wäre das wohl das einzig mögliche Wunder, das hier Rettung bringen kann.

Die im gleichen Kontext gerne erhobenen Forderungen, sich doch stärker über Sponsoring und Public Private Partnership zu finanzieren und damit entstehende Finanzierungs-Lücken zu decken, sind obsolet: Wenn die Finanzkrise in der Kommune ankommt, dann ja deshalb, weil sie in der Wirtschaft und im privaten Raum längst Tagesthema ist.

Die Kölner Kulturschaffenden dürfen jetzt nicht stillhalten und erstmal abwarten, was denn wirklich von diesen Forderungen umgesetzt wird. Auch wenn – sehr geschickt! – gerade die Antragsphase für den neuen Förderzeitraum läuft, und man sich deshalb schwer tut damit, sich ausgerechnet jetzt aus dem Fenster zu lehnen: ALLE KÖLNER KULTURBETRIEBE sollten eine geschlossene Front bilden und zum Protest aufrufen.

Machen wir der Politik eine Gegenrechnung auf:
Denn natürlich verstehen wir das Problem. Gerade im Kulturbereich ist man es gewohnt, vorausschauend und langfristig zu denken. 30 Prozent sind, das können wir errechnen, ja viel zu wenig! „Ersparen“ wir der Kommune, uns langsam kaputt zu sparen, bis sie dann endlich 2014 über alle Kulturgelder verfügen kann. Machen wir ein konsequentes Gegenangebot! ALLE Kultureinrichtungen Kölns schließen ab 2010. Im Gegenzug müssen sich leider auch alle Kulturschaffenden und alle Mitarbeiter der Betriebe, die aufgrund der fehlenden Umwegrendite pleite gehen sowie alle Mitarbeiter der Betriebe, die insolvent werden, weil in der Kulturprovinz Köln keiner mehr leben möchte, arbeitslos oder Hartz IV melden. Überlassen wir es unserem Stadtkämmerer auszurechnen, was die Kommune günstiger kommt.

Aber auch bundesweit empfehle ich den Kulturschaffenden dringend, sich hier einzuschalten und zu protestieren. Denn wenn dieses Beispiel durchgeht, dann wird es Schule machen. Nicht umsonst hat auch der Deutsche Kulturrat schon Protest eingelegt:
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Die jetzt in Köln bekannt gewordenen grotesken Einsparungspläne sind ein Vorgeschmack auf das, was in den nächsten Monaten in Sachen Kulturfinanzierung auf uns zu kommen wird. Fatal ist, dass erst in dieser Legislaturperiode die Verankerung des Staatsziels Kultur im Grundgesetz sowohl im Deutschen Bundestag als auch im Bundesrat gescheitert ist und dadurch eine Möglichkeit, die Kulturfinanzierung als pflichtigere Aufgabe von Kommunen, Ländern und dem Bund zu definieren, verpasst wurde. Wir rufen den gesamten Kulturbereich auf, Widerstand gegen die Einsparungen in Köln zu leisten, denn wenn der Stadtkämmerer in Köln sich, auch nur teilweise, durchsetzt, werden vielen Kämmerer in anderen Kommunen seinem Beispiel folgen. Ohne Gegenmaßnahmen wird der Kulturbereich bei den nun anstehenden Sparmaßnahmen zum Zahlmeister der Nation werden.“

Es muss endlich Schluss sein mit der Spitzweg-Romantik, die noch immer über den Kulturbetrieben schwebt. Wenn man sich unter dicken Decken in seinem Bett verkriechen muss, um seine Kunst zu betreiben, weil der Raum nicht beheizbar ist, und einem dabei das Wasser auf den Kopf tropft, weil die Decke undicht ist (beides Zustände, die wir am Orangerie-Theater sehr real kennen), dann ist das nicht romantisch.
Es ist nur: KALT UND NASS.

4. August 2009

Von Dinosauriern und Tiefseetauchern

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Da ist man nur mal kurz ein bißchen abgetaucht und schon ist es passiert: Blog des Monats. Hoppla! Und mal im Ernst: Ich hätte es ja wieder mal gar nicht gemerkt, wenn mich nicht Florian mit seiner netten Gratulation so elegant drauf hingewiesen hätte. DANKE! That’s what friends are for. Nee, mal ehrlich, das ist ja schon zum rot werden, was Renate da Schönes über mich fabuliert. Renate, bist du eigentlich verheiratet? Sonst würde ich an dieser Stelle Interesse anmelden, bei so herzwärmenden Liebeserklärungen! :-)
Wirklich, ich bin fasziniert. Da haut man so ein paar Daten in eine Maske, schreibt ein paar Beiträge und dann schaffen es wildfremde Menschen, Dinge über einen zu schreiben, wo man denkt, Schietkrom (wie der Norddeutsche flucht), ist das gut getroffen. Wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass der gläserne Mensch nur dem gefährlich wird, der was zu verbergen hat, ich könnte glatt Angst bekommen. So aber ist mir das zwar dezent verwirrend aber eigentlich nicht unangenehm.
Zurück zu den anderen Dingen. Den auch nicht wichtigen aber sicher wichtigeren. Dinosauriersterben grade, oder? Einen nach den anderen haut es weg. Pina, Traugott, Peter, Monika und und und (Michael zähle ich persönlich dann doch eher nicht dazu) - da kann man sich schon die Augen reiben. So suggeriert es mir zumindest der Feuilleton und auch sonst so manche Debatte. Ich fühl mich dann immer ganz unwohl, kann ich doch die generelle Betroffenheit nicht wirklich teilen. Da wird eifrig gesprochen von den Großen und Einzigartigen und ich denke still bei mir - ja, so ist es, Menschen sterben, auch die angeblich Großen und Einzigartigen. Mir wird immer ganz schwummerig bei so was. Nennt mich gerne naiv, aber für mich ist das ein bißchen so wie bei den Flugzeugabstürzen, wo immer gesagt wird 160 Tote, 13 Deutsche. Macht das mehr Wert aus? Warum ist Sterben nur interessant, wenn ein scheinbar persönlicher Informationswert daran zu hängen scheint? Ich hab klar Filme von Frau Bleibtreu gesehen, ich habe auch Arbeiten von Peter und Pina gesehen, aber die Menschen… Und selbst ihre Kunst kenne ich nur in kleinsten Ausschnitten, der Rest bleibt Propaganda, Meinung von anderen Menschen. By the way, Zadek fand ich gruselig, aber ich kenne natürlich seine frühen, rebellischen Arbeiten nicht. Egal. Ich interessiere mich nicht für Leute, die sterben, weil sie dran sind. Das ist so. Menschen werden alt, Menschen sterben. Irgendwie Teil des Vertrags, auch wenn man sich nie wirklich für oder gegen eine Unterschrift entscheiden konnte. Und da zählt auch jeder gleich und ich wundere mich auch nicht drüber. Und auch mit 60 sterben ist ja eigentlich durchaus normal. Und da wir noch dazu Theater machen, ist uns doch das Flüchtige, das, was nur im Moment entsteht und auch schon stirbt und nicht festgehalten werden kann, sehr vertraut. Das ist doch das Wunderbare, das Freie. Dafür leben wir doch. Auch für das Risiko, den Schmerz, der darin liegt. Und ich freu mich schon auf die Nachrücker mit ihrer Kraft und Phantasie und allem, was sie ausmachen wird.
Nee, da interessiert mich mehr, Sterben zu verhindern, da, wo es wirklich geht und Sinn macht. Und wo ich jetzt schon Blog des Monats bin, kann ich das ja mal frech nutzen: Holt euch einen Organspendeausweis! Übernehmt eine Patenschaft in der 3. Welt! Seid politisch! Engagiert euch für Sterbehilfe! Übernehmt ein Ehrenamt! Schaut hin, wenn es Menschen um euch herum schlecht geht! Gebt euren Nachbarn einen Zettel mit eurer Telefonnummer! Widmet eure Zeit dem Leben! Über die Toten wird immer genug geredet werden, da muss man sich keine Sorgen machen. In diesem Sinne schreibe ich Freitag noch Klausur und dann tauche ich wieder ein bißchen weiter aus meiner Arbeits-Andreas-Graben-Spalte auf.
Ach und Esther: MERCI!

20. Juli 2009

Couchsurfen macht weich!

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Aus dem aktuellen Anlass eines Wochenendes in der Stadt des Hyper-Fake, also München, ist es mir einmal mehr aufgegangen:
Wenn man auf der Couch des Schauspielers nächtigt oder die Nacht zum Tag macht, dessen Vorstellung man am gleichen Abend anschaut, wird man ungemein milder gegenüber der aufgetischten Kunst. Da ich generell eher als harter Kritiker verrufen bin, der fast immer ein paar Haare in der Suppe findet, fällt mir doch auf, wie sehr auch ich diesem “friends and family”-Faktor unterworfen bin, sprich: auf einmal nicht mehr auf das künstlerische Gesamtergebnis schaue und dieses eher mau finde, sondern ganz friedlich und glücklich das zwar zur Kenntnis nehme, aber vor allem denke “ach, jetzt schau wie schön der X spielt” oder “da guck mal, das ist wieder so ein ganz spezieller Y-Moment”. Und so dann auch aus dem Abend gehe, zwar nicht begeistert, aber milde gewärmt.
Warum ich darüber nachdenke? Wo es doch ein sicher weit verbreitetes Phänomen ist. Weil ich mich schon frage, warum ich denn diese Einstellung nicht auch in jeden anderen Theaterabend mitnehmen kann, also einen ohne “couch and friends” und mit anders geöffnetem Blick auch dort in Miniaturen verweilen kann. Oder andersherum, ist es nicht vielleicht falsch, dass so ein bisschen Sofanähe die Radikalität des Schauens angreift?
Ich tendiere ja gewohnheitsgemäß zu letzterem Gedanke.
Nur - wo schlafe ich dann in Zukunft???

29. Juni 2009

Under construction

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Seit Monaten geht es mir so, dass ich auf die bekannte Frage nach “wie geht es dir” stereotyp etwas von “jaja, ganz gut, nur viel zu viele Baustellen” vor mich hin nuschel. Da es auf Sicht nicht besser werden wird, denke ich immer ernsthafter darüber nach, mir doch einfach gleich “under construction” auf die Stirn zu tätowieren… Aber letztlich soll man nicht klagen, lieber auf zu vielen Baustellen Steine schieben, als hinter der Absperrung stehen müssen und staunend auf die Großbaustellen anderer gucken.
Nur, wenn an so herrlichen Sommertagen meine Tochter zum ersten Mal in ihrem Leben an einem Badesee war und strahlend nach Hause kommt, dann weckt sie damit auch das Kind in mir und das sagt fluchend “Menno”.
Tja, so ist das mit den Trauben, nach denen der Fuchs sich reckt…
Oder um es mit einem Satz aus einem der genialsten Bücher, die jemals geschrieben wurden, zu sagen:
“Sometimes I can hear my bones straining under the weight of all the lives I’m not living.” Wer noch eine Lektüre sucht für den Sommer, bei der man die ganze Zeit zwischen Heulen und Lächeln hin und her gerissen ist, dem kann ich dieses Werk nur dringend empfehlen: Jonathan Safran Froer: Extremely loud & incredibly close. In diesem Sinne: Auf an den Baggersee, wer kann!

6. Juni 2009

Du hast die Wahl!

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Vieles an der EU ist nicht perfekt. Die beste unter den europäischen Institutionen ist aber für mich das demokratisch gewählte Europaparlament, über das wir Einfluß auf die europäischen Institutionen nehmen können. Es hat zwar leider (noch) nicht alle Befugnisse, die ein Parlament haben sollte, doch genau deshalb sollten wir unsere Vertreter dort stärken.
Der Bundestag gab und gibt, von vielen unbemerkt, immer mehr parlamentarische Rechte an das Europaparlament ab. Dennoch interessiert viele dieses ferne Parlament fast gar nicht, auch ich ertappe mich immer wieder bei Desinteresse oder merke, daß ich zuwenig davon mitbekomme. Damit laufen wir aber Gefahr, auf wichtige demokratische Rechte zu verzichten, Mitsprache und Kontrolle bei politischen Entscheidungen zu verlieren. Und - das geht uns als Künstler sehr direkt an: Die Kulturpolitik wird immer mehr auch auf EU-Ebene entschieden. Genau mit dieser Wahl steht nicht zuletzt auch zur Debatte, ob und inwieweit die nationalstaatliche Kultursouveränität erhalten bleibt.
Wer sich schwer tut, kann sich helfen lassen: Der Deutsche Kulturrat hat sich freundlich die Mühe gemacht und alle Parteien mit Wahlprüfsteinen speziell für den Kulturbereich beglückt. Da sie tatsächlich geantwortet haben, kann man sich hier schnell zumindest ein grobes Bild machen:

http://www.kulturrat.de/dokumente/wahlpruefsteine-europawahl2009.pdf

Also, wählen gehen! Du bist Europa!! Sonst gibt es hinterher auch kein Recht auf Meckern!!!

26. Mai 2009

Konjunkturpaket light gemacht.

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“NEUMANN: KULTUR BEKOMMT 100 MILLIONEN EURO AUS KONJUNKTURPAKET

Berlin (ddp). Die Kultureinrichtungen bekommen nach Angaben von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) knapp 100 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket der Bundesregierung. «Ich freue mich, dass es gelungen ist, mit den zusätzlichen Investitionen dringend nötige Baumaßnahmen voranzubringen. Denn jeder Euro für Theater, Museen und andere Kultureinrichtungen ist gut angelegtes Geld», sagte Neumann am Dienstag in Berlin.

Zu den für die Verwendung der Gelder vorgesehenen Projekten gehören zum Beispiel das Haus der Berliner Festspiele (17,3 Millionen Euro), der Martin-Gropius-Bau in Berlin (11 Millionen), die Akademie der Künste in Berlin (5,2 Millionen), die Kulturstiftung des Bundes in Halle (2,6 Millionen), die Stiftung Bauhaus Dessau (3,3 Millionen) und das Deutsche Filminstitut in Frankfurt am Main (1,5 Millionen). Für die Sanierung von Kulturdenkmälern sind 20 Millionen Euro eingeplant.”

Mal ehrlich - wenn ich höre, mit welchen Wechselsummen ein Mario Gomez grad gehandelt wird, der ja meistens das Tor noch nicht mal trifft, wenn er drin steht - dann finde ich das schon eine Riesen Verarsche. 100 Millionen, das klingt vielleicht viel. Aber bei den gängigen Jahresetats von Kultureinrichtungen ist das wirklich noch nicht mal ein Tropfen auf dem heißen Saunastein. Da halte ich es mal wieder ganz mit meiner Tochter. Wenn ich der nur ein Gummibärchen gebe, dann brüllt die auch laut “MEHR”. Politposse.

20. Mai 2009

Geht doch!!!

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Pressemitteilung des Deutschen Kulturrats:

“ALG I: Weg frei für Lösung des Problems noch in dieser Wahlperiode
Deutscher Kulturrat begrüßt, dass Bundeskabinett heute Gesetzesentwurf zum ALG I verabschiedet hat

Berlin, den 20.05.2009. Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass das Bundeskabinett heute einen Gesetzesentwurf zur Reform des Arbeitslosengeldes I (ALG I)verabschiedet hat. Damit ist der Weg nun frei, dass noch in dieser Legislaturperiode das Problem der Rahmenfrist für den Bezug von Arbeitslosengeld I gelöst werden kann.

Nach geltendem Recht müssen Arbeitslose in den vergangenen zwei Jahren 12 Monate sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben, damit sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld I haben. Da in der Film-, Fernseh- und Theaterbranche kurzzeitig befristete Beschäftigungsverhältnisse die Regel sind, entstand das Problem, dass viele kurzzeitig Beschäftigte zwar Beiträge an die Arbeitslosenversicherung gezahlt, selbst aber kein Arbeitslosengeld I erhalten haben.

Wesentliche Bestandteile der Neuregelung sind, dass für kurzzeitig Beschäftigte die Rahmenfrist verkürzt wird. Sie haben bereits nach sechs Monaten Anspruch auf Arbeitslosengeld I, sofern ihr Beschäftigungsverhältnis überwiegend sechs Wochen beträgt. Wichtig ist ferner, dass das Gesetz zunächst auf drei Jahre befristet ist. Diese Frist ist ausreichend, um zu prüfen, ob die angestrebten Effekte tatsächlich erreicht werden.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Bei der Rahmenfrist zum Arbeitslosengeld I musste tatsächlich ein dickes Brett gebohrt werden. Ich bin sehr froh, dass nun das Kabinett den Weg frei gemacht hat, für eine Lösung dieses Problems. Jetzt hat das Parlament noch drei Sitzungswochen Zeit, um den Gesetzesentwurf zu beraten und zu verabschieden. Unser Dank gilt allen, die sich hartnäckig immer wieder für eine Lösung eingesetzt und um Verbesserungen an den zwischenzeitlich vorgelegten Vorschlägen gerungen haben.“

Na also, geht doch. Dann sollen die Damen und Herren mal schön auf das Richtige kommen beim Nachdenken. Und wir wollen mal alle hoffen, dass, um Olaf Zimmermann beizupflichten, wirklich ein Loch ins Brett gebohrt wird. IN DAS DICKE BRETT VORM KOPF! Dann muss ich mich auch endlich nicht mehr so viel aufregen und kann mich wieder anderen Dingen zuwenden! :-) Aber siehe: Protest hilft eben doch. In diesem Sinne: Arsch hoch und nutzt die geballte Künstlerpower!!!

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